Jetzt mal unter uns Betschwestern. Die nordische Mythologie zeichnet sich vor allem durch drei Dinge aus: Saufen, Schlägerein und Shenanigans. Ernsthaft! Wenn man die nordische Mythologie betrachtet könnte man meinen, dass die “Norder” den ganzen Tag nur besoffen Scheiße gebaut und sich geprügelt haben. Wenn ihr mir das jetzt nicht glaubt, dann erzähle ich euch eine kleine Geschichte aus der Lieder-Edda.

Zu allererst aber (wie immer) der langwierige Teil:

Der langwierige Teil

Die nordische Mythologie ist nicht direkt so niedergeschrieben, wie die japanische oder die griechische Mythologie. Es gibt viel mehr zwei große Werke, die die Geschichten aus der nordischen Mythologie erzählen: die Prosa-Edda und die Lieder-Edda. Die nordische Mythologie ist auch nicht direkt konsitent, sondern teilt sich in einzelne überlieferte Geschichten und Lieder (wie man bei den beiden Werken schon annehmen kann). Diese sind oft (besonders im Falle der Prosa-Edda) unzusammenhängend und stehen für sich allein. Es ist also eher eine Ansammlung von Geschichten, als eine zusammenhängende Mythologie.

Kurze Zusammenfassung: Die Welt in der nordischen Mythologie besteht nicht, wie sonst immer, aus unserer Welt, Himmel und Unterwelt, sondern aus mehreren nebeneinander existierenden Welten. Die Welt, auf der die Menschen leben heißt beispielsweise Midgard. Die Welt auf der die Götter (oder aus Asen) leben heißt Asgard. Eine wichtige Eiswelt auf der hauptsächlich Riesen leben heißt Jotun. Diese Welten sind allesamt an den Weltenbaum Yggdrassil gebunden und sind untereinander und nebeneinander in seiner Krone und seinem Stamm angeordnet.

Die Asen besitzen die Fähigkeit und/oder die Artefakte dazu zwischen diesen Welten zu reisen, also wundert euch nicht, wenn da mal einer rumspringt.

Mjölnir

Thor war (oder ist immer noch weil unsterblich und so) stolzer Besitzer einer der mächtigsten Waffen in allen Götterhimmeln: Dem Hammer Mjölnir. Dieser Kriegshammer erzeugt Blitze, wenn man ihn schwingt und ist in der Lage Riesen zu töten. Er ist so mächtig, dass nur ein Gott von Thors Format oder er selbst ihn schwingen und/oder sogar halten kann ohne dabei sich, die unmittelbare Umgebung und die ansässige Bevölkerung komplett zu vernichten.

So jetzt kommen wir aber zur Geschichte:

Der spannende Teil

Thor und seine Bedroullie

Thor wacht eines morgens auf und kann seinen Hammer nicht finden. Er sieht überall nach und stellt fest, dass dieser aus irgendeinem Grund weg ist. Ganz blöde Situation, weil siehe oben.

Natürlich hat Thor sofort Loki im Verdacht, weil der dafür bekannt ist allerlei linke Scheiße abzuziehen.

Die beiden sind übrigens keine Brüder (danke Marvel!), sondern Loki ist der Bluts- und Waffenbruder von Odin. Das ist aber eine andere Geschichte.

Jedenfalls überzeugt Loki Thor nach einem kurzen Streit, dass er dieses mal nicht verantwortlich ist. Da Thor jedoch ein riesen Hitzkopf ist beschließt Loki (zum Wohle seiner eigenen Gesundheit) loszuziehen und den Hammer zu suchen. Er findet ihn beim Jotunriesen und nebenbei König der Jotun Thrymr (altnordisch: Lärm). Er hat den Hammer Thor abgeluchst und verlangt jetzt, verwegen wie er ist, im Austausch gegen Thors Hammer, Freya zur Frau.

Freya ist die Göttin, der Fruchtbarkeit, der Liebe, der Ehe, der Schönheit, also so ziemlich allem was gut und schön ist. Sie ist, versteht sich, ziemlich dagegen mit einem Jotunriesen namens Lärm verheiratet zu werden.

Der Masterplan

Die Asen setzen sich also zusammen und gehen mehrere Pläne durch, wie sie A) den Hammer zurückbekommen und B) Freya nicht mit dem Riesen verheiraten müssen. Die meisten sind nicht funktionabel, bis der Gott Heimdall mit einer Idee um die Ecke kommt, die einfach funktionieren muss: sie stopfen Thor in ein Kleid und schieben ihn dem Riesen unter. Wohlgemerkt der Mann ist ein nordischer Kriegsgott und sieht auch aus wie einer: Bart, muskelbepackt, breites Kreuz etc. Naja…

Jedenfalls einigen sich alle auf diesen großartigen Plan und verkleiden Thor als Freya. In diesem Kostüm (und mit einem mords Schleier im Gesicht, weil sein wir mal ehrlich) bringt ihn Loki, getarnt als eine seine Schildmaiden, bei Thrymr vorbei. Der misstraut der Situation natürlich, aber Lokis Eloquenz überzeugt ihn dann dennoch, dass alles in bester Ordnung ist. Thrymr schmeißt daraufhin eine Riesenparty (pun intended) zur Feier der Verlobung der beiden. Loki bringt den Riesenkönig dann durch geschickte Schmeicheleien dazu Mjölnir den beiden Asen in disguise zu zeigen. Der Mann muss auch Beduinen Sand verkaufen können. Das ist Wahnsinn.

Und wer hätte es gedacht? Sobald Thor den Hammer in den Händen hält prügelt er die Scheiße aus jedem Riesen heraus, der ihm in die Finger kommt und tötet so auch Thrymr.

Fazit:

Das ganze ist nur einer der Rauf- und Saufgeschichten aus der nordischen Mythologie und eine der wenigen in denen Thor von seinem Hammer getrennt war. Mjölnir ist eine wahrhaftig unglaublich mächtige Waffe und so witzig das oben Erzählte klingt, war das doch keine prickelnde Situation. In den falschen Händen kann damit wirklich großer Schaden angerichtet werden. Ich mein Thor hat einen kompletten Festsahl voller Riesen im Alleingang auseinander genommen, das aber erst NACHDEM er seinen Hammer zurück hatte. Muss ich mehr sagen?

Ich hoffe du hattest wie immer Spaß beim Lesen! Falls du Anmerkungen oder Anregungen hast, schreib mir wie immer eine Mail über mein Kontaktformular oder einen Kommentar!