Von allen Mythologien, ist die japanische Mythologie (zumindest aus westlicher Sicht) wahrscheinlich die bekloppteste. So auch bei der Entstehung der Welt.

Aber zuerst der langwierige Teil:

Der langwierige Teil

Jetzt muss man dazu sagen, dass es mehrere Quellen für die japanische Mythologie als solche gibt, die auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind. Es gibt allerdings zwei große Chroniken, in denen die Göttergeschichte niedergeschrieben sind: das sind einmal die Kojiki (古事記, „Chronik alter Begebenheiten“) aus dem Jahr 712 und die Nihonshoki (日本書紀, „Chronik Japans“) aus dem Jahr 720. Diese beiden dienen uns heute als Vorlage und werden in der japanischen Sprache als Kiki (記紀) bezeichnet. Jetzt ist mein Japanisch nicht so gut und ich kann euch nicht sagen, was das genau alles bedeutet, wollte das aber mal dazu geschrieben haben. Das Ganze ist stark beeinflusst von der chinesischen Mythologie, hier könnten also Paralellen entstehen.

Kommen wir zum spannenden Teil:

Der spannende Teil

Quelle

Entstehung der Welt

Wie wir in vielen anderen Mythologien schon gesehen haben, gab es am Anfang eine Art Urmaterie. Diese teilt sich, aus irgendwelchen Gründen in zwei Teile (Himmel und Erde). Dazwischen entstanden drei Ur-Götter und 7 Göttergenerationen, die immer in Paaren auftreten (also insgesamt 14 Götter). Die sind unterschiedlich definiert und prinzipiell alle nicht wichtig. Uns interessiert lediglich die siebte und letzte Generation, bestehend aus einem Götterpaar (gleichzeitig auch Geschwister; ihr wisst ja wie es ist bei Göttern: da gibt’s kein Inzest). Diese tragen die Namen Izanagi no Mikoto (伊邪那岐命, der Mann, der einlädt; kurz auch Izanagi) und Izanami no Mikoto (伊邪那美命, die Frau, die einlädt; kurz auch Izanami). Diese beiden waren nämlich für die Erschaffung der Welt zuständig.

Da es zuerst noch gar nix gab, standen die beiden auf einer Art Wolken- oder Himmelsbrücke. Wahrscheinlich war ihnen dann irgendwie langweilig und sie entschlossen sich irgendwas zu erschaffen. Also tunkte Izanagi die Spitze seines Speers in das unter ihnen liegende Chaos, rührte einmal kräftig um und als er ihn wieder heraus zog, bildeten die Tropfen die herunter fielen eine Insel. Diese Insel trägt den Namen Onogoroshima (淤能碁呂島, „die von selbst geronnene Insel“). Da hüpfen die beiden dann drauf, zimmern einen sogenannten Himmelspfeiler auf die Insel und feiern fröhlich Hochzeit. Darauf hin entstehen weitere Inseln (unter anderem auch die acht großen Inseln Japans) und weitere Götter.

Leben und Tod

Jedenfalls zeugen die beiden dann einen Haufen andere Götter für die jeweiligen Naturgewalten (Berge, Flüsse usw.). Dummerweise geht bei der Geburt des Feuergottes alles gewaltig schief und Izanami verbrennt sich so heftig, dass sie (jetzt kommts) stirbt. Heißt im Klartext sie kommt in die Unterwelt.

Den Feuergott macht Izanagi in seiner Trauer spontan zu Kleinholz und geht dann seine Frau suchen. Er findet sie logischerweise in der Unterwelt und will sie natürlich direkt wieder mit nach oben nehmen. Das ganze ist so eine Orpheus Nummer (Frau tot, Mann geht in Unterwelt, will sie rausholen, sie sagt nicht ankucken, er kommt bis fast zum Ende, dreht sich aus irgendeinem Grund um, bam) und geht auch auf ähnliche Weise schief, jedenfalls ist Izanami so erboßt, dass sie ihm ihr komplettes Sortiment an Höllenhunden an den Hals hetzt. Izanagi ergreift natürlich spontan die Gelegenheit beim Schopf und direkt die Flucht. Als er aus der Untwelt herauskommt, verschließt er den Eingang mit einem großen Felsen. Das findet seine Frau jetzt nicht so cool und schwört deshalb aus Rache für seinen Verrat täglich tausend Menschen zu töten. Izanagi hingegen denkt sich: “Der geb’ ich!” und beschließt täglich tausend Menschen das Leben zu schenken. Und so wurden die beiden zu Totengöttin und Lebensgott (und gleichzeitig erklärten sich die Japaner so den Kreislauf des Lebens).

Rituelle Waschungen und ihre Folgen

Nachdem Izanagi die ganze Geschichte ziemlich glimpflich überlebt hat, wäscht er sich in einem Fluss (ist wahrscheinlich auch ganz schön dreckig nach der Untwelt). Bei dieser (rituellen) Waschung entstehen mehrere weitere Götter. Wichtig für uns sind aber nur drei dieser Wesen: Amaterasu (Sonnengöttin; bei der Reinigung des linken Auges), Tsukiyomi no Mikoto (Mondgott; bei der Reinigung des rechten Auges) und Susanoo (bei der Waschung der Nase). Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Artikel.
Warum genau in dieser Mythologie dauernd aus nix irgendwelche Götter entstehen weiß ich auch nicht.

Fazit

Merke: Wenn deine Frau dir sagt nicht rumdrehen, dann hör auf sie (vor allem wenn sie tot ist), die Folgen könnten gravierend sein. Und wenn du dich in einem Fluss wäscht, kann es sein, dass sich dein Kinderwunsch erfüllt, solange du ein japanischer Gott bist.

Ich hoffe du hattest wie immer Spaß beim Lesen! Falls du Anmerkungen oder Anregungen hast, schreib mir wie immer eine Mail über mein Kontaktformular oder einen Kommentar!