Hier könnt ihr den Text auch hören falls ihr ihn nicht lesen wollt

Sehen wir uns die griechische Mythologie einmal an, so kommen wir um ein Thema absolut nicht herum: Vatermord. Die griechische Mythologie hat UNZÄHLIGE Mythen, die beschreiben, wie irgendwer eine unheilvolle Prophezeihung erhalten hat, die seinen Tod vorraussagt. Sehr häufig ging es darum, dass ein Nachfahre, meist der eigene Sohn, den Orakelerhaltenden dermaßen aus dem Leben zimmert, dass dem noch Wochen nach seinem brutalen Tod die Ohren geschlackert haben. Leider gehen Orakel immer in Erfüllung, weil sonst wäre das Ganze langweilig und absolut unerwähnenswert.

Natürlich auch so in der Entstehungsgeschichte der Welt, wie könnte es anders sein? Aber fangen wir mit dem langwierigen Teil an.

Falls ihr keine Lust habt euch durch die Familienverhältnisse der alten Götter zu quälen, springt doch direkt zum spannenden Teil (weiter unten auf der Seite).

Der langwierige Teil (0:53)

Die Liebe Familie (0:55)

Ganz am Anfang gab es keine Götter, es gab nur die sogenannten Protogonen (“zu erst Geborene”). Die stammen – nach der gängigsten Überlieferung der sogenannten Theogonie (“Entstehung der Götter”) von Hesiod – alle von einer einzigen Entität ab: Chaos. Chaos ist ein weniger ein Gott, als personifiziertes Phänomen. Ein grundlegendes Prinzip, was Gestalt angenommen hat, um zu walten. Der gute Chaos hatte fünf Nachkommen. Eros (Liebe), Erebos (Finsternis), Nyx (Nacht), Tartaros (Unterwelt) und Gaia (Erde). Letztere ist extrem wichtig für unsere Geschichte, also behaltet sie mal im Hinterkopf.

Ich erzähle hier nur den für unsere Geschichte wichtigen Teil. Falls es dich aber interessiert Wikipedia gibt uns Aufschluss darüber, wer aus wem hervorgeganen ist und bei näherer Betrachtung auch warum.

Zurück zu Gaia. Die Dame ist super mächtig und schafft aus dem Nichts bzw. aus sich selbst drei Entitäten: Pontos (Meer), Ourea (Gebirge) und Uranos (Himmel). Mit letzterem zeugt sie 18 Kinder. Diese sind in 6 Kategorien unterteilt: Hekatoncheiren, Kyklopen, Titanen, Giganten, melische Nymphen und die Erinnyen (die kommen aber erst später). Wichtig für unsere Geschichte sind allerdings nur die ersten drei Geschlechter.

Soweit so langwierig, aber jetzt kommen wir zum spannenden Teil. Versprochen!

Der Spannende Teil (2:24)

Die Entmannung des Uranos (2:26)
Die Entmannung des Uranos von Giorgio Vasari Cristofani Gheradi

Uranos hasste seine Kinder (zu diesem Zeitpunkt allerdings nur die Hekatoncheiren “die Hunderarmigen” und die Kyklopen “die Rundäugigen”). Hauptsächlich weil er ein ziemlicher Arsch war und aber auch weil er sie für hässlich hielt. Er entschied sich diese im Tartaros (ein Ort vergleichbar mit der Hölle) tief unter der Erde einzusperren. Gaia fand das gar nicht so geil und brachte die Titanen deshalb ohne sein Wissen zur Welt. Dann schuf sie eine Sichel aus Adamant (ein unzerstörbares Metall) und ging zu den Titanen, um sie anzustiften gegen Uranos zu kämpfen. Da Uranos sowohl ihr Vater war, als auch sehr, sehr mächtig weigerten sich alle Titanen zuerst. Doch Kronos (auch: Chronos), der Titan der Zeit erklärte sich bereit sich gegen seinen Vater zu stellen. Klingt jetzt erstmal super episch, wird aber gleich nicht mehr so episch.

Kronos wartete auf den nächsten Geschlechtsakt zwischen Uranos und Gaia und schnitt seinem Vater währenddessen seine Geschlechtsteile ab… Ja das ist wirklich so passiert. Autsch!

Uranos verfluchte Kronos, dass dieser Verrat auch ihn ereilen werde, bei seinen Kindern. Das wäre ziemlicher Arschloch Move, hätte man ihm nicht gerade sein Gemächt genommen.
Aus dem Blut, dass auf den Boden tropfte schuf Gaia die sogenannten Erinnyen, welche fortan dafür zuständig waren all die zu verfolgen und zu bestrafen, die mütterlichen Ansprüche oder generell die familiäre Rangordnung missachteten. Also alle, die sich in irgendeiner Form gegen ihre Eltern auflehnen. Sie gelten auch als die Göttinnen des Gewissens. Nach Hesiod entstand aus dem Teil, der ins Meer fiel, außerdem Aphrodite, was sie zu einer der ersten Götter machte, in anderen Überlieferungen ist sie die Tochter des Zeus.

Zeit der Titanen (4:07)
Kronos mit der Sichel Quelle

Kronos war natürlich etwas paranoid, was seine Kinder anging. Deshalb tat er das, was jeder treusorgende Vater in dieser Situation tun würde, um zu verhindern, dass sich Uranos’ Fluch erfüllte: Er aß einfach alle Kinder auf! Effektiv, einfach und nahrhaft. So wurden Hestia (Herdfeuer), Demeter (Ernte), Hera (Ehe& Familie), Hades (Unterwelt) und Poseidon weggesnackt bevor sich Rhea, auf Anraten ihrer Mutter/Schwiegermutter Gaia, dazu entschied eines der Kinder zu verstecken und so vor Kronos zu schützen. Sie gab ihm statt dem Kind einfach einen gewickelten Stein. Kronos bemerkte nicht, dass es sich nicht um seinen Sohn handelt und aß den Stein.

Fragt nicht, ich hab auch keine Ahnung, wie man einen Stein für einen Gott halten kann.

Dieser Gott war Zeus. So hatte er die Möglichkeit heranzuwachsen und später seinen Vater zu überwerfen. Wie er das genau gemacht hat ist unterschiedlich überliefert, aber auch hier ist die bekannteste und auch gängigsten Überlieferung die Theogonie von Hesiod:

Zeus schlich sich bei Kronos ein und verabreichte ihm einen Zaubertrank, den er von Metis (eine der Okeaniden, Tochter des Okeanos und der Thetys) erhalten hatte. Der Trank brachte Kronos dazu Zeus’ Geschwister auszuspucken. Dann zog Zeus mit seinen Geschwistern prompt gegen Kronos und die anderen Titanen in den Krieg. Die einzige Ausnahme bildeten die weiblichen Titanen und Okeanos. Sie enthielten sich komplett. Mit Hilfe seiner Geschwister erschlug er Kampe, den Wächter zum Tartaros und befreite dort die Kyklopen und die Hekatoncheiren. Die Kyklopen schmiedeten Zeus seine wohl bekannteste Waffe: den Donnerkeil. Besser bekannt aus Funk und Fernsehen als Blitze, die er auf seine Feinde schmeißt. Die Hekatoncheiren warfen ihrerseits große Felsen auf die Titanen. Es wurde in diesem Krieg also super viel geworfen.

Der Sturz der Titanen von Peter Paul Rubens 1637-1638

Nach einem zehnjährigen Krieg wurden die Titanen besiegt und Zeus, Poseidon und Hades teilten die Welt untereinander auf: Zeus herrschte über den Himmel, Poseidon über das Meer und Hades über die Unterwelt. Dieser Krieg wird in der Überlieferung als Titanomachie oder auch Kampf der Titanen bezeichnet. Die Titanen, bis auf diejenigen, die sich enthalten haben, wurden von Zeus bestraft: Atlas musste das Himmelszelt (Uranos) tragen, da dieser nach all diesen Kämpfen drohte auf die Welt zu stürzen, Kronos wurde bei einem Fluchtversuch mit einem Donnerkeil weggezündet und Prometheus hängte er an einem hohen Berg auf, nur damit ihm dort ein Adler täglich die Leber aus dem Leibe fressen sollte. Aber auf Prometheus und seine Taten gehe ich in anderen Artikeln noch ein. Der Rest wurde mehr oder weniger in der Unterwelt eingesperrt, um dort auf ewig zu bleiben.

Nach diesem furchtbar epochalen Krieg begann die Herrschaft der Olympier (Zeus und der lieben Familie).

Die Olympier

Es gab noch einen weiteren Angriff von den Giganten. Sie wurden angespornt von Gaia, die beleidigt war, weil Zeus ihre Kinder eingesperrt hatte (der Frau kann man es aber auch nie Recht machen Herrgott). Dieser wurde aber von Zeus und den Olympiern abgewehrt. Dieser Krieg wird als Gigantomachie bezeichnet, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich hoffe euch hat der erste Artikel gefallen, wenn ihr wollt könnt ihr gerne einen Kommentar schreiben und mir dazu Feedback geben.