Wenn es eine Figur in der griechischen Mythologie gibt, die sinnbildlich für Gar-Keine-Manieren-Haben steht, dann Tantalos. Dieser Mann hat mit Anlauf alles falsch gemacht, was man so falsch machen kann. Buchstäblich. Ich mein Wow!

Aber wir kommen, wie immer, erstmal zum langwierigen Teil:

Der langwierige Teil

Tantalos war gefühlt der Bill Gates, des antiken Griechenlands. Der Mann hatte einen HAUFEN Geld. Er war König von Lydien und Phrygien und hatte Länderreien, die sich über zwölf Tagesreisen erstreckten. Das ist halt illegal viel. Bei dem Mann wird Dekadenz noch groß geschrieben. Und in Leuchtbuchstaben.

Jedenfalls war er zusätzlich noch der Sohn von entweder Zeus und Pluto (Nein nicht Hades, sondern die Tochter von Kronos und Rhea). In anderen Versionen hat er sterbliche Eltern, aber auch aus Königshäusern.

Seine Position (und in den frühen Überlieferungen auch seine Abstammung) führten dazu, dass er oft von den Göttern zum Essen eingeladen wurde.

Kommen wir aber langsam mal zum spannenden Teil:

Der spannende Teil

Leider war Tantalos genauso überheblich und dreist, wie er reich war. Das Gastrecht war in der Antike eines der heiligsten Gesetze überhaupt. Das Gastrecht umfasst, dass kein Kampf bei einer Einladung stattfinden darf, dass der Gastgeber und der Gast sich gegenseitig zu respektieren haben, dass wenn Asyl gewährt wurde, sich daran auch zu halten ist etc. etc.
Selbst den Göttern war dieses Gesetz heilig und sie hielten sich ausnahmslos daran.

Tantalos fand, dass Gastrecht ein recht dehnbarer Begriff ist und begeht direkt mehrere Straftaten gegen den Olymp, während die ihn bewirten.

Einmal stiehlt er Ambrosia und Nektar von den Göttern. Die Götter fanden das doppelt ungeil, weil Nektar und Ambrosia ein Getränk ist, was lediglich den Göttern und ihren Gästen vorbehalten ist und Tantalos das Gastrecht mit Füßen getreten hat. Da er aber ein guter Freund der Familie ist, verwarnen sie ihn nur und lassen ihn gehen.

Tantalos nutzt seine zweite Chance direkt dazu, einen goldenen Hund, der den Tempel des Zeus auf Kreta bewachte, in seinem Haus zu verstecken. Den hatte kurz zuvor Pandareos dort gestohlen. Das fanden die Götter auch sehr ungeil und bestraften ihn diesmal härter.

Die schlimmste Tat des Tantalos

Auf die Spitze treibt er es aber erst in seiner dritten Straftat. Er lädt die Götter zu sich nach Hause zum Essen ein. Die Götter stimmen zu, was eine absolute Ausnahme ist. Die Götter verlassen wirklich sehr ungern den Olymp, aber auch hier wieder, das Gastrecht ist heilig und Einladungen sind anzunehmen.

Tantalos schmiedete allerdings einen dunklen Plan, weil er die Allwissenheit der Götter auf die Probe stellen wollte. Was prinzipiell schon mal ne scheiß Idee ist, warum siehst du gleich. Er überlegt sich also, wie er das anstellt und kommt zu dem Schluss, dass er dazu seinen jüngsten Sohn Pelops opfern muss, um ihn den Göttern als Abendessen vorzusetzen.

Gesagt, getan! Die Götter kommen an, er serviert das Essen. Alle Götter bis auf Demeter bemerken sofort, dass das Pelops ist (Demeter bemerkte es deswegen nicht, weil sie in Trauer, um ihre Tochter Persephone war, die der Hades geraubt hatte). Das schießt bei den Göttern den Vogel ab. Sie sind außer sich vor Wut. Und das kriegt Tantalos auch zu spüren, aber dazu gleich mehr.

Zuerst stellen sie den armen Pelops wieder her. Sie werfen alle Teile in einen Kessel und eine der Moiren (Rachegeister) zieht Pelops in gewohnter Schönheit aus dem Kessel heraus. Da Demeter allerdings ein Stück der Schulter gegessen hat, wird diese durch Elfenbein ersetzt.

Die Strafe des Tantalos und der Tantalidenfluch

Dann gehen sie dazu über den Tantalos nach allen Regeln der Kunst zu bestrafen. Sie stecken ihn in den Tartaros, dem tiefsten Teil des Hades. Dort steht er bis zum Kinn in Wasser, wenn er sich aber nach dem Wasser bückt, um etwas zu trinken, versiegt es. Über seinem Kopf hängen Zweige mit süßen Früchten, aber jedes Mal, wenn er sich streckt weht ein starker Wind sie weg. Außerdem thront über seinem Kopf ein riesiger Stein, der droht jederzeit auf seinen Kopf zu fallen und ihn zu zerquetschen.

Diese Strafe ist so ikonisch, dass man heute noch zu unfassbaren Qualen Tantalosqualen sagt.

Quelle

Außerdem verfluchen sie sein ganzes Geschlecht bis zur fünften Generation nach ihm, dass selbiges durch brutale Morde geprägt gewesen sein soll. (Was auch der Fall ist: siehe Niobe, siehe Kytaimestra etc.)

Fazit

Ich sage es sehr oft in diesen Artikeln und das ist auch der Konsens von sehr vielen Geschichten in diversen Mythologien: Leg dich nicht mit den Göttern an! Das ist in 100% der Fälle eine absolut beschissene Idee. Das ist, wie wenn du versuchst einem Muscle Car die Vorfahrt zu nehmen. Das geht immer schlecht für dich aus.

Ich hoffe du hattest wie immer Spaß beim Lesen! Falls du Anmerkungen oder Anregungen hast, schreib mir wie immer eine Mail über mein Kontaktformular oder einen Kommentar!