Wenn wir an Namen wie Elvis, Beatles oder Justin Bieber denken haben wir immer ein Bild vor Augen: kreischende und ohnmächtig werdende Mädchen. In Scharen kommen Leute zu ihren Konzerten, um sie singen zu hören und ihnen vielleicht ein bisschen näher zu sein.

Aber was wenn ich euch sage, dass es im antiken Griechenland jemanden vergleichbaren gab? Dieser junge Mann trug den Namen Orpheus und man sagte ihm nach, dass er durch seinen Gesang wilde Tiere anlockte, die ihm zahm lauschten, sich sogar Berge und Bäume versetzten (und das weinen anfingen), um ihm näher zu kommen und so ziemlich die Gesamtheit aller Frauen in Hörreichweite zu Füßen lag. Das krieg erstmal hin Elvis!

Orpheus hat aber auch eine recht tragische Geschichte und die erzähle ich euch heute. Aber zuerst der langwierige Teil.

Der langwierige Teil

Wo und wie Orpheus herkommt, ist verschieden überliefert: einmal kommt er aus Thrakien, einmal aus Makedonien. Dann ist Pieren als Heimat angegeben und die Stadt Dion erhebt sogar Anspruch darauf, dass Orpheus daher stammen soll. Grundsätzlich ist das ziemlich egal, es macht nur einfach seine Beliebtheit deutlich.

Er ist der Sohn der Muse Kalliope (Fachgebiete: So gut wie alles in Schriftform, Epik oder Lyrik, und Saitenspiel, also alles an Saiteninstrumenten, vor allem aber die Lyra) und entweder des Apollon oder des Oiagros, einem thrakischen König und Flussgott. Da ich bei meiner Recherche jetzt aber öfter auf Apollon als seinen Vater gestoßen bin, halte ich mich daran, beides ist aber richtig.

Als Sohn von Apollon hat er von selbigen auch eine magische Leier bekommen, die der wiederrum von Hermes bekommen hatte.

So viel zur Vorgeschichte, jetzt kommt aber der spannende Teil:

Der spannende Teil

Um Orpheus ranken sich einige Geschichten. Er soll beispielsweise auf der Argo mit Jason gesegelt sein und ihm geholfen haben, das goldene Vlies zu klauen. Mit seinem Gesang soll er sogar die Sirenen übertönt haben. Was krass ist, wenn man bedenkt, dass DIESE Seefahrer massenweise dazu gebracht haben sollen, sich in den Tod zu stürzen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute erzähle ich euch die wohl bekannteste Geschichte nämlich die von ihm und seiner Frau Eurydike.

Orpheus und Eurydike

Orpheus ist verliebt in die Nymphe Eurydike. Es ist alles schön und gut bis Orpheus mit Jason mitgeht (zu dem Boy schreib ich auch noch nen Artikel). Der Gott Aristaios (Imkerei, Schafzucht und Olivenanbau; richtiger Dulligott) nutzt nämlich die Gelegenheit, dass Orpheus aus dem Haus ist, um Eurydike zu vergewaltigen. Die versucht zu fliehen und wird dabei spontan von einer Schlange gebissen und stirbt. Gut gemacht du Arschlochgott.

Orpheus ist über den Tod seiner Frau so betrübt, dass er eine Ballade nach der anderen rauszündet und alle die seine Musik hören komplett depressiv macht. Das wiederrum findet sein Vater Apollon nicht so geil und schickt ihn in die Unterwelt, damit er seine Frau endlich zurückholt, weil “Das hält ja keiner aus hier!”

Orpheus im Hades

Orpheus und Eurydike in der Unterwelt auf dem Weg nach Hause Quelle

Unser Held zieht also los in die Unterwelt und singt sich komplett durch den Hades. Ernsthaft! Selbst Charon, der Fährmann in der Unterwelt, steigt aus seiner Schaluppe aus und folgt ihm, Cerberus hört auf zu bellen und sogar die Verdammten im Tartaros sind still, als sie Orpheus Gesang hören.

Orpheus kommt bei Hades und Persephone an und singt die natürlich ebenfalls in Grund und Boden. Die beiden sind dermaßen gerührt von seinem Gesang, dass sie seinem Wunsch nachgeben, Eurydike aus der Unterwelt wieder mit nach oben zu nehmen. Nekromantie durch singen, man kennt es. Die beiden Unterweltsgötter stellen allerdings eine Bedingung: Er darf sie unter gar keinen Umständen ansehen!

Die Geschichte wäre natürlich nicht so tragisch, wenn es nicht (mal wieder) kolossal schief gehen würde: Orpheus hört die Schritte seiner Gattin hinter ihm nicht (weil sie tot ist, duh) und denkt natürlich Hades habe ihn verarscht. Kurz vor dem Ausgang hält er es nicht mehr aus, dreht sich rum, stellt fest sie ein Geist ist und Hermes verbannt sie (diesmal auf ewig) in die Unterwelt. Tja blöd gelaufen.

Orpheus Tod

Der kopflose Orpheus Quelle

Orpheus für seinen Teil ist jetzt so dermaßen traurig, dass er sich von sämtlichen Frauen absagt und schwul wird (Ja sogar Misogyn) . Man sagt ihm sogar Pädophilie nach. Schlussendlich wird ihm von den Mänaden, den wahnsinnigen Anhängerinnen des Dionysos, buchstäblich der Kopf abgerissen. Warum sie das getan haben weiß man nicht, es ist aber zu vermuten, dass Apollon und Dionysos, ihres Zeichens beides Götter der Musik, rivalisierend sind und deshalb die Mänaden nicht so gut auf Orpheus zu sprechen gewesen sind. Also eine Art Gangkrieg. Es kann natürlich auch sein, dass sie die Misogynie und Pädophilie jetzt nicht so geil gefunden und ihn deswegen einen Kopf kürzer gemacht haben. Aber das ist reine Spekulation.

Sein Kopf hat allerdings nicht aufgehört, zu singen, selbst nach seinem Tod. Die Mänaden werfen diesen in den Fluss Hebros, woraufhin er ins ägäische Meer und schließlich an die Insel Lesbos treibt (immernoch singend). Der Kopf hört erst auf, als Apollon ihn verstummen lassen hat. Das nenne ich mal Ausdauer. Seine Lyra wird als Sternbild an den Himmel gehängt.

Fazit

Ja, was lernen wir aus dieser Geschichte?

Erstens: Wenn dir ein Gott sagt was zu tun ist, dann hör besser auf den! Der sagt das ja nicht zum Spaß

Zweitens: Wir wissen jetzt, wo der Ausdruck, für jemanden durch die Hölle gehen herkommt.

Drittens: Du kannst noch so schön singen, das rettet dich auch nicht vor einer Horde drogenabhängiger Partyweiber, wenn die keinen Bock auf dich haben.

Ich hoffe du hattest wie immer Spaß beim Lesen! Falls du Anmerkungen oder Anregungen hast, schreib mir wie immer eine Mail über mein Kontaktformular oder einen Kommentar!

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